Katalog 2018

Vorwort von Mag. art. Michaela Gmeiner

Während des Studiums haben Stefanie und ich viel Zeit miteinander verbracht: wir saßen oft viele Stunden im an die Universität angrenzenden Stadtpark um Skizzen von Enten und Pfauen anzufertigen. Einfache Studien um mit wenigen Strichen das Wesentliche festzuhalten. Diesbezüglich war Stefanie sehr ausdauernd und wenn ich heute daran zurückdenke, überstieg der Papiergebrauch sicher fast ihre damaligen finanziellen Möglichkeiten.

Oft habe ich darüber nachgedacht, wie eng der Zusammenhang von frühen Kindheitserlebnissen und späteren Bildfindungen ist. Auch bei Stefanie lässt sich die Vorliebe für die Beobachtung von Tieren auf ihre Kindheit auf einem Bauernhof zurückführen. Dieser Bezug zu Tieren fand seine Fortsetzung in einem Jahr Studium der Biologie und führte auch zu einem Sommerpraktikum im Tiergarten Schönbrunn als Tierpflegerin.

Auch dorthin begleitete ich Stefanie während unseres gemeinsamen Studiums an der Universität für angewandte Kunst hin und wieder um Tierstudien anzufertigen, wobei sie natürlich sehr viel öfter von dieser Möglichkeit Gebrauch machte. Besonders die Bewegungsstudien finden sich häufig auf diesen Skizzen. Eine gewisse Vorliebe für Federvieh ließ sich schon damals erkennen: Pfaue, Pelikane, Emus waren ihre absoluten Lieblingsmodelle. Ich glaube sie war damals schon davon fasziniert, wie sie die Federn aufstellen konnten und sich verrenkten nur um den Nebenbuhler zu verschrecken und das auserkorene Weibchen zu beeindrucken. An dieser Begeisterung hat sich bis heute nichts geändert.

Ein ganzes Semester lang widmete Stefanie nach einer Studienreise mit unserer Meisterklasse nach Ravenna dem Thema „Pfau“. Dort begeisterte sie sich vor allem für die Mosaiken im Mausoleum der Galla Placidia und in der Kirche San Vitale, in welchen auch Pfaue abgebildet sind. Aus dem asiatischen Raum übernommen steht der Pfau in der christlichen Symbolik für Unsterblichkeit, also für das ewige Leben oder auch für die Allwissenheit Gottes aufgrund seiner vielen Augen.

Der Bezug zur Landschaft in Stefanies Bildern ist ebenfalls früh entstanden. Die Kindheit auf dem Bauernhof ermöglichte Stefanie stundenlanges Betrachten von Natur zu allen Jahreszeiten, Tag und Nacht. Solche Erfahrungen brachte Stefanie als Teenager in ihren Tagebüchern in Form von kleinen Wasserfarbenstudien zu Papier. Damals wie jetzt sind es einsame Wälder und Hügellandschaften, kein Mensch weit und breit, wohl aber die Natur. Es sind sanfte Landschaften mit abgetönten Farbpaletten und obwohl meist keine Sonne zu sehen ist, spürt man im Bild ein angenehmes Strahlen, ein Spiel von Licht und Schatten, kalt und warm, hell und dunkel.

Die Einbeziehung der Architektur in die Bildthemen ist nur eine letzte Konsequenz zu ihrer erfahrenen Umgebung. Manchmal tauchen Häuser in ihren Landschaften auf, manchmal erkennt man Details von Gebäuden im Hintergrund oder aber Teile von Häusern als eigene Bildfindungen. Letztere sind zusammengetragene Details, die Stefanie auf Reisen skizziert oder fotografiert und zu einem neuen Gebäude zusammenstellt.

Doch egal mit welchen der genannten Inhalte sich die Arbeiten von Stefanie befassen, immer strahlen sie eine gewisse erhabene Stille aus. Sie ruhen in sich. Sie drängen sich nicht auf. Diese Ruhe zieht den Blick des Betrachters auf sich. Und wenn sich dieser darauf einlässt, wird er bemerken wie auch er von dieser Ruhe ergriffen wird.

Eine Besonderheit ihrer Arbeit ist auch, dass sie Skizzen – auch wenn sie schon Jahre zuvor entstanden sind - immer wieder auch für das Malen ihrer Bilder heranzieht. Fast immer spielt die Skizze eine sehr wichtige Rolle für die Entstehung eines späteren Bildes. Das kann man hier im Katalog gerade auch bei den Flamingos gut nachvollziehen. Das Malen selbst erfolgt zumeist in mehreren Schritten. Erst überträgt sie die Skizze auf den Bildgrund, danach legt sie vorsichtig eine sanfte Farbschicht darüber um sich langsam und mit weiteren Schichten dem endgültigen Resultat zu nähern. Oft wartet sie eine Weile und setzt sich zwischenzeitlich mit einem anderen Bild auseinander, vielleicht mit einem weiteren, bis sie wieder eine neue Schicht daraufsetzt.

Es ist dies ein behutsames Vorgehen, keine Primamalerei, wie sie die Impressionisten und später auch die Expressionisten anwandten. Die einzelnen Arbeitsschritte sind durchdacht und zuletzt entsteht im Bild eben diese ruhige, besonnene Ausstrahlung. In Stefanies Bildern mag man verweilen, mag man sich ausruhen von dieser lauten Welt, bis man schließlich selbst in sich ruht.

Stefanie wird weiter auf der Suche bleiben nach Bildlösungen, denn ein dermaßen ernsthaftes Malen bleibt niemals stehen, entwickelt sich stets weiter in dem Maße, wie auch die eigene menschliche Entwicklung voranschreitet. Ich freue mich schon darauf.

Abschließend möchte ich noch einen Gedanken von Paula Modersohn-Becker setzen: „Man muss eben den ganzen Menschen der einen, ureinzigen Sache widmen. Das ist der Weg, wie etwas werden kann und wird.“

(Paula Modersohn-Becker (1876 - 1907), deutsche Malerin, gilt heute als Wegbereiterin des Expressionismus).